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Wiener Walzer
Der Wiener Walzer ist einer der ältesten Gesellschaftstanz, der seit 1963 zum Welttanzprogramm gehört. Mit 60 Takten pro Minute ist er der schnellste Tanz des Welttanzprogramms. Die hohe Kunst des perfekten Wiener Walzers besteht darin, die Bewegung trotz des hohen Tempos ruhig und weich aussehen zu lassen.

Die Geschichte des Wiener Walzers beginnt mit seiner erstmaligen Erwähnung 1797 in Breslau, wobei das „walzen“ im Sinne „von sich drehen“ wesentlich älteren Datums ist. Der Begriff Wiener Walzer wurde in Wien selbst 1807 erstmals verwendet. Insbesondere der Rechtswalzer war zunächst wegen Unzüchtigkeit, vor allem wegen der innigen Berührung der Paare, in sogenannten „besseren Kreisen“ verpönt. Beliebtheit gewann er durch den Wiener Kongress 1814/15.  

Die berühmten Musikstücke der Komponisten Josef Lanner, Johann Strauß, Johann Strauß Sohn und ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Pjotr Iljitsch Tschaikowski machten ihn zu einer europaweit respektierten musikalischen Gattung. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts stand der Walzer in der Wiener Operette stets im Zentrum. Er wurde ursprünglich sehr schnell getanzt und erfuhr erst im Lauf des beginnenden 20. Jahrhunderts die heutige „schwebende“ Form.  

In den 1910er Jahren begann in Deutschland aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen und internationaler Einflüsse ein „Walzersterben“. Modernere und dynamischere Tanzformen aus Übersee setzten sich durch. Der ehemalige k.u.k.-Offizier Karl von Mirkowitsch machte den Wiener Walzer nach dem Ersten Weltkrieg wieder gesellschafts- und turnierfähig, in dem er den Stil änderte.
 
Seit 1932 tanzt man den Wiener Walzer auf Turnieren. Der Nürnberger Tanzlehrer Paul Krebs (1915–2010) verband 1951 die altösterreichische Walzertradition mit dem englischen Stil. Bei dem Tanzfestival in Blackpool im gleichen Jahr feierte er große Erfolge. Seitdem ist der Wiener Walzer als gleichberechtigter Standardtanz anerkannt.  

Der Wiener Walzer war in seiner Geschichte Ausdruck gehemmter politischer Umbruchsstimmungen und wurde beispielsweise als „Marseillaise des Herzens“ (Eduard Hanslick) bezeichnet, er solle „Wien die Revolution erspart haben“, während Johann Strauss selbst „Napoléon Autrichien“ (Heinrich Laube) genannt wurde.  

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